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Die Auer Zunft

Eine Zunft war im Mittelalter der Zusammenschluss von Handwerkern, besonders in den Städten. Man wollte gute Arbeit leisten und bildete selbst gute Handwerker aus. Wenn einer sein ?Meisterstück? geliefert hatte, sprach ihn die Zunft ?ledig?, das heißt, dass er nun frei sei für seine Meisterlaufbahn. Die Zünfte hatten also Machtbefugnisse wie heute die Innungen in den Kammern für gewerbliche Wirtschaft.

Warum entstand nun bei uns in Au auch eine Zunft,
als sei Au ein Städtchen gewesen?


Es war eine Nachkriegszeit (Dreißigjähriger Krieg). Es war viel zerstört. Das Bauwesen blühte wieder auf. Man hatte in den Kriegszeiten viel von der Welt gehört, und so zog man aus den arbeitslosen Dörfern  in die Fremde. Auer ?Fremdler?  waren schon vor unserer Zunftgründung im weiten Umkreis um den Bodensee auf Sommerarbeit gewesen. Unsere Maurer, Zimmerleute und Stukkatoren stachen auf fremden Baustellen bald hervor. Im Winter wieder zu Hause, bildete man sich weiter. Man zeichnete, rechnete, skizzierte, entwarf neue Baupläne, man fing alles fremde Gute auf und verarbeitete es zu Hause in Kursen. Die Auer Meister bildeten in jener langen Baukonjunktur über 1800 Lehrlinge aus. Von den mehr als 700 größeren Bauaufträgen an Vorarlberger, erhielten Leute der Auer Zunft 60 Prozent. Ähnlich war es bei den Dekorationsaufträgen.

Von 1670 bis 1700 waren in Au-Schoppernau mehr als 90 Prozent aller männlichen Arbeitskräfte Bauleute. Eintragungen, die auf einen losen Zusammenschluss von Bauhandwerkern in Au schließen lassen, gab es schon um 1651, als der Auer Maurermeister Michael Beer am Stift Kempten baute. Im Jahre 1657 zeigte das neue Zunftbuch bereits eine gut gegründete Zunft. Ihre Leute waren schon berühmt geworden, als die Zunft erst 1703 der Innsbrucker ?Hauptlade? angeschlossen wurde. Am 11. Dezember 1842 wird auf ?öffentlicher Zunftstube? beschlossen, dass eine ?jede Profession? aufgenommen und ledig gesprochen werde. Im folgenden Jahr bestätigte das Landgericht Bezau diesen Beschluss, dass man auch Schlosser, Schreiner, Rotgärber, Bäcker und andere aufnehmen könne.
Die Auflösung der Zünfte erfolgte im Jahre 1859 mit der Gründung der Handelskammern. In einem Schreiben der Landesregierung vom 16. Oktober 1931 erfahren wir, dass der Handwerkerverein aus dem Jahre 1868 ?Zunft-Verein Au? heiße und dass seine Bildung auf Grundlagen der vorgelegten Satzungen nicht untersagt sei. Nach zehnjährigem Bestand erfährt der Zunftverein im Jahre 1957 von der Sicherheitsdirektion Vorarlberg, dass seine Tätigkeit beginnen könne.

 

Quelle: "Unsere Heimat Au" von Hermann Gsteu erhältlich auf dem Gemeindeamt Au

 

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