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Die Auer (Vorarlberger) Barockbaumeister

Der Barock ging zwar von Italien aus, entwickelte jedoch in ganz Europa eigenständige Formen. So auch in unserem Raum. Maßgeblich gestaltet haben diese besondere Variante des Barock Baumeister aus dem hinteren Bregenzerwald, oft aus Au. Anders als in den übrigen Regionen barocken Kunstschaffens ist es hier nicht der einzelnen Künstler, sondern gleichsam die Sippe, der man die Leistungen zuschreiben möchte. Die Bauhandwerker schlossen sich im Laufe des 17. Jhdts. zu einer Zunft zusammen - Auer Zunft - und die Baumeister entwickelten sogar ein eigenständiges "Münsterschema". Dieses Schema - Westfassade mit Turmpaar, wenig vorkragende Seitenschiffe, Kreuzung überkuppelt, seitliche Emporen und Galerien - wurde architektonische Grundlage der meisten Barockkirchen. Eine Besonderheit war die Kombination des Längsraumes mit einem Zentralraum.

Der erste bedeutende Baumeister, Michael Beer (1605 - 1666), war der Begründer der Auer Zunft. Ihn machten die Arbeiten an der Wallfahrtskirche in Rankweil bekannt. Weitere Werke waren die Pfarrkirche Bludesch - in Vorarl- berg das erste Bauwerk barocker Kunst - die Stiftskirche St. Lorenz in Kempten, Rottenmünster (Rottweil) und Fischen (Sonthofen). Michael Beer folgten in der vorderösterreichischen Donaustadt Günzburg Valerian Brenner und Joseph Albrecht, in Dillingen Andreas Moosbrugger, Mindelheim die Natter.

Michael Thumb (1640 - 1690), Mitarbeiter und Werkfortführer von Michael Beer, begann mit der Stiftskirche von Wettenhaus (östl. Schwaben), setzte in Zwiefalten und Obermarchtal die erfolgreiche Arbeit der Auer Baumeister fort. Sein Sohn Peter entschied sich für eine Lehre in der Auer Zunft, war über ein Vierteljahrhundert Mitarbeiter seines Schwiegervaters Franz Beer von Blaichten. Rund 40 Werke schuf Peter Thumb. Die herausragendsten sind die Wallfahrtskirche Birnau, St. Peter im Schwarzwald, Ebersmünster im Elsaß und die Stiftskirche und die Bibliothek in St. Gallen. Für die wichtigsten Werke des Auer (Vorarlberger) Barock werden oft Franz Beer von Blaichten (1660 - 1726) und Caspar Moosbrugger (1656 - 1723), Klosterbruder in Einsiedeln, verantwortlich gemacht. Für Caspar wurde Einsiedeln lebensbestimmend. Das Stift erkannte seine Begabung und förderte ihn in hohem Maße. Er projektierte um 1700 die neue Stiftsanlage von Einsiedeln. Weiters bestimmte Caspar Moosbrugger weitgehend das Klosterbauwesen der Schweiz, wodurch er auch die Tätigkeit Franz Beer von Blaichten vorbereitete. Franz Beer von Blaichten, der Sohn von Michael Beer, erlernte das Bauhandwerk auch in der Auer Zunft. Sein Schaffensgebiet erstreckte sich über ganz Schwaben bis nach Bayern. Die meisten seiner 60 Bauaufträge kamen von Stiften und Klöstern. Seine bedeutendsten Werke finden wir in Irsee, Rheinau, Münsterlingen und Weingarten. 4 Jahre vor seinem Tode wurde Beer von Karl VI geadelt.

Es darf festgehalten werden, dass viele "Vorarlberger Barockbaumeister" gebürtige Auer oder Mitglieder der Auer Zunft waren. Infolge des Fehlens weltlicher und kirchlicher Auftraggeber konnten in unserem Dorf, wie auch im Land Vorarlberg keine bedeutenden Bauwerke errichtet werden. Beim Aufgang zur Pfarrkirche von Au wird auf einer Ehrentafel auf die Gründung der Auer Zunft im Jahre 1657, als Würdigung der großen Baumeister und Stukkatoren, hingewiesen.

 

(Verfasst von Oberschulrat Anton Frantsich, für die Buchausgabe "Auf den Spuren der Kultur")

 

buy discount cialis Ehrentafel am Aufgang zur Pfarrkirche Au

 


 

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