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Naturdenkmäler in Au

Die Mittagsfluh
Links, bergwärts am großen Kepfen, der nur von den Schafen abgeweidet wird, gibt es eine Stelle, die man heute noch Bärenfalle nennt. Der Volksmund weiß, dass dort der letzte Bär der Gegend erlegt wurde. Über einen hohen, steil abfallenden Felsen legten die Jäger ein Brett, auf dem sich die Lock- speise befand, und beschwerten es Bergwärts mit einem Stein. Wenn der Bär das Brett betrat, stürzte er samt seiner Last in die Tiefe.

Auf dem Kepfen war das Schafhüten mit vielen Gefahren verbunden. In unterirdischen Wasserlöchern waren Schafe plötzlich verschwunden und konnten selten wieder gefunden werden. Auf dem Kamm des Felsens, von Jaghausen herauf, wehte der Aufwind und brachte jeden hinausgeworfenen Hut wieder zurück. Dieses Kunststück versuchten die Hirten immer wieder. Auch schwangen sie sich gern auf die aus dem Steilabfall heraufwachsenden Wettertannen, um vom hohen, gefährlichen Auslug die Welt zu überschauen. Solchen Hochsitz konnten sie nur erreichen, wenn sie sich über den Abgrund hinweg in das raue Gezweig stürzten und, emporgeklettert, den Gipfel dann so in Bewegung hielten, dass ihnen die Schwankungen den Absprung auf den Felsrand wieder ermöglichten. Dies erforderte große Geschicklichkeit, aber auch einigen Mut.

Der Korbschroffen
Unsere Landschaft hat zwar wenige aber umso eindrucksvollere Naturdenkmäler. Das großartigste ist der Erdriß zwischen den beiden Jurakalkkolossen der Kanisfluh und Mittagsfluh. Das zweite Denkmal ist der Korbschroffen. An seinen Flanken erkennt man deutlich die Abbruchstellen urzeitlicher Bergstürze. Der Korbschroffen selbst ist das übriggebliebene Stück einer zerbröckelten Bergwelt.

Pfarrer Ober berichtet noch von Katastrophen vor erst 200 Jahren. Es war im November 1762. Aus den Verwüstungen zu schließen, sind damals Bergklötze von der Größe des heutigen ganzen Schroffens abgebrochen und durch das ?Undorhöanle?, dann über das Berggut ?Oborn? und durch die Wiesen von Argenfall bis ins Achtal gekollert. Den Achlauf verschob es ganz an den rechten Hang, und es entstand ein ganz neues Landschaftsbild. Auch von der Kanisfluh brachen ganze Felspartien ab, und die klaffenden Breschen drohen weiter von den Abbruchstellen herab.
Nach 1800 soll es gewesen sein, als ein Bergsturz 8 Joch Wald zerschlug.

Der große Stein
Es leben nicht mehr viele, die sich noch an unser eigentümlichstes Naturdenk- mal erinnern. ?Bom grosso Stuo?, nannte man das Gelände, wo heute das Arzthaus, andere Häuser, Werkstätten und eine Tankstelle stehen. Einst stand hier kein Bau, bis das ?Brujo Hüsle? es wagte. Rechts vom Mühlebach, also links, wenn man talherein zum ?Brüggele? kommt, stand herrlich ein hoher, gegen das Sträßchen heraus etwas überhängender Felsklotz da. Unter dem Überhang war die Steinwand rauchig schwarz. Da lagerten immer die Zigeuner samt Blahewagen, Kind und Kegel und Pfannenflickerzeug. Und wenn im Dorf in den Sommerzeiten Hennen fehlten, dann brieten sie im Zigeunerlager unter dem ?Großen Stein?. Dieses Naturmonument war Inbegriff von Abschied und Heimkehr, denn es stand hier am Dorfende und ? anfang.
Da blickten die Schwabenkinder im Frühling und die wenigen Studenten im Herbst immer noch einmal zu unserem Kirchturm zurück. Da begrüßte auch jeder Heimkehrende, vom Fußmarsch von Bezau herein und in früheren Zeiten gar von Schwarzach herein, erschöpft und vom Anblick des Großen Steins erfrischt, unser Heimatdorf.
Der Große Stein war ein solch großer Bergsturtzbrocken, dass auf seinem flachen Scheitel ein grüner Fleck mit etlichen struppigen Fichtenzwergen Platz hatte. In der Zeit der großen Wuhrbauten nach dem Überschwemmungsjahr 1910 sprengten die Rohlinge unseren lieben Großen Stein. Steinbrecher und Pulver zerbrachen dies Hochgebirge der Kindertage in Mauerklötze, eine Feldbahn schleppte sie zur Ach hinaus, wo sie heute der ?Güse? wehren. Damals warb der Sattlermeister Franz Büchele mit einem persönlichen Angebot; Er selbst lege bei einer Sammlung als erster einen blanken Hunderter (Wert einer Kuh) in einen Fond, aus dem man den Antransport von Wuhrsteinen von weiter her finanzieren soll - wenn andere Heimattreue dasselbe täten.Der Große Stein aber ward klanglos und herzlos im Achwuhr begraben.

Die Kanisfluh
Es ist keiner, der den Bregenzerwald gesehen und von diesem Berg nichts vernommen hat. Er steht wuchtig und breit inmitten. An ihrem fast tausend- metrigen Steilabfall gegen Mellau ist der Hexenboden mit Türmen und Türmchen und Rissen und Wänden, die keines Menschen Fuß je betreten hat. Der südliche Hang bietet den leichtesten Aufstieg. Kaum einer, der hier im Tal zur Sommerfrische weilte, hat diesen Berg nicht bestiegen. Die Kanisfluh ist unser Abendberg. Hinter ihr geht die Sonne zur Ruh und vergoldet zuweilen die Ränder mit seltsamem Licht.


Quelle: "Unsere Heimat Au" von Hermann Gsteu erhältlich auf dem Gemeindeamt Au

 

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