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Die Lehrerfamilie Schmid

Dem Wanderer auf der Straße von Schrecken nach Rehmen fällt an einem Bauernhaus an der Wand eine Gedenktafel auf. Bei der Enthüllungsfeier war viel Volk anwesend. Die Festansprache hielt der Herr Landesschulinspektor Hofrat Ilg persönlich. Sie galt der Ehrung einer Lehrerfamilie.

Der Erstgenannte auf der Inschrift ist Joh. Josef Schmid. Mit Au hat dieser Mann weiters nichts zu tun, als dass er als Sohn des Franz Schmid und der Maria Katharina geb. Berlinger 1785 zur Welt kam. Wieder bestätigte es sich, dass Tüchtige sehr oft aus kinderreichen Familien stammen (11 Kinder). Gestorben ist Joh. Josef Schmid als Privatlehrer in Paris anno 1850. Er war ein bedeutender Mitarbeiter Pestalozzis, und sein Name steht heute noch in den Pädagogik-Lehrbüchern.

Um Schmid zu würdigen, müssen wir einiges von Pestalozzi wissen, dem bekannten Volkserzieher und Sozialpädagogen. Seine Wirksamkeit fällt in die napoleonische Zeit, wo es auch in der Schweiz  verwaiste Kinder genug gab, um die sich die stürmische Zeit nicht  kümmerte. Pestalozzi gründete in der Schweiz Schulen und Erziehungsheime, so in Neuhof, Stans, Burgdorf und Iferten. Das war eine Art Kinderdorf-Gedanke zum Wohl verwaister oder vernachlässigter Kinder. Pestalozzi wollte Schulung und Erziehung aufbauen auf ein gutes Verhältnis von Lehrer und Schüler, das ähnlich sein sollte wie das zwischen einer guten Mutter und ihren Kindern. Schmid leistete als Lehrer und Erzieher und als Verwalter in pestalozzischen  Anstalten sein Bestes, und Pestalozzi nannte ihn seinen besten und aufrichtigsten Freund.

Der jüngere Bruder Joh. Michael Schmid war auch einige Zeit Lehrer in einer solchen Anstalt, kam aber dann im Zusammenhang mit dieser Schulbewegung bis nach Oldenburg als Lehrer in einer ähnlichen Gründung. Die Schwester Maria lehrte mit viel Erfolg zuerst in Dornbirn die französische Sprache und wirkte später in einer pestalozzischen Armenanstalt. Das jüngste Kind des Franz Schmid, die M. Katharina, steht auch noch auf der Gedenktafel, weil sie mit dem Gottlieb Pestalozzi, dem einzigen Enkel des aufopfernden und so oft enttäuschten Erziehers verheiratet war. Ihr Sohn wurde gar Züricher Stadtrat und Professor am Polytechnikum und überdies noch Artillerie-Oberst.


Inschrift auf der Gedenktafel am Geburtshaus in Rehmen:

Joh. Josef  Schmid, 1785 ? 1850, + in Paris
Heinrich Pestalozzis bedeutendster Mitarbeiter
Johann Michael Schmid, 1788 ? 1807, + in Göttingen
Maria Schmid, geb. 1794, gest. in Brederis
Beide als Erzieher tätig an Pestalozzi-Schulen
Katharina Schmid, geb. 1799
war verehelicht mit dem einzigen Enkel H. Pestalozzis

Quelle: "Unsere Heimat Au" von Hermann Gsteu erhältlich auf dem Gemeindeamt Au

 

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