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Der Maler Martin Ritter von Feuerstein

Martin Ritter von Feuerstein wurde im Jahre 1914 von König Ludwig von Bayern geadelt. Er besuchte das Gymnasium in Colmar. Dann arbeitete er zuerst nur in der Werkstätte seines Vaters. Im ganzen Leben galt ihm jede Arbeit als Lebensschule. Er studierte dann auf der Akademie der bildenden Künste in München. In Paris blühte sein Talent für die Malerei erst richtig auf.

Vielleicht  hatte der ehemalige Zeichner schon als Student in Colmar Freude an den Farben empfunden. Die Stadt besitzt auch ansprechende Kunstwerke (Isenheimer Altar, Werke von Schongauer). Er wurde Professor an der Akademie in München und hielt sich sonst nur im Zusammenhang mit Aufträgen anderswo auf, oft in Straßburg, auch in unserem Land.

Es bedurfte besonders in der Zeit Feuersteins einer Erneuerung des kirchlichen Lebens. Einst im frühen Mittelalter konnten die Leute nicht lesen und verstanden kaum ein Gebet. Man versuchte deshalb im romanischen Baustil, durch Wandbilder auf die Kirchenbesucher einzuwirken. Zu Feuersteins Zeiten vergleichgültigte die Aufklärung als Zeitströmung auch das kirchliche Leben. Man betete immer seltener mit eigener Inbrunst, man las schon fast gar nicht mehr in einem Gebetbuch, Rosenkränze um betende Hände sah man noch in Dorfkirchen.

Eine Künstlergemeinschaft, die man später die ?Nazarener? nannte, wollte durch die Kirchenmalerei zu Andacht, Erbauung, Bußfertigkeit, Sehnsucht nach dem Ewigen und zu Feierlichkeit stimmen und zu religiösen Gedanken anregen.

Wir Auer haben es leicht. Wir können das alles vor den Werken Feuersteins in unserer eigenen Kirche erleben. Es ist auch eine Art von Andacht, wenn man seinen Gedanken einmal freien Lauf lässt, um den Eindrücken zu folgen, die die drei Wandgemälde Feuersteins auf den Kirchenbesucher machen. (St. Anna und Joachim unterrichten das Kind Maria; Maria Vermählung; der zwölfjährige Jesus im Tempel). Es ist ergreifend, wie das Kind Maria lauscht. Das zweite Bild deutet mit unaussprechlicher Feinheit an, wie die beiden Vermählten die weltgeschichtliche Bedeutung dieser schlichten Feier fühlten. Alle daknieenden Eheleute werden selbst an ihre glückseligen Augenblicke vor dem Traualtar zurückerinnert. Und wenn das Wandgemälde sie dann auch noch zu einer Gewissenserforschung mahnt, hat es viel bewirkt. Das Wandgemälde mit dem zwölfjährigen  Jesusknaben im Tempel spricht die Jugend an. Sollte einmal ein stiller Nachmittag es uns erlauben, in den Chor hinauf zu gehen und die beiden Ölgemälde Feuersteins an den Wänden beiderseits des Hochaltars zu betrachten, dann verehren wir den Künstler zutiefst, denn er hat die beiden Kunstwerke der Auer Kirche gewidmet zum Andenken an seinen Vater, der anno 1827 in diesem Gotteshaus getauft worden war. Die Bilder stellen die Himmelfahrt und Krönung Mariens dar.


Inschrift auf der Gedenktafel in der Pfarrkirche von Au:

Zum Gedenken an den aus Au stammenden Herrn Martin Ritter v. FEUERSTEIN
Professor an der Akademie der bildenden Künste in München dessen Werke auch diese Kirche schmücken.
Geb. 1856 in Baar in Elsaß
Gest. 1931 in München
In Würdigung seiner Verdienste um die religiöse Malerei 1914 v. König Ludwig III. in den Adelsstand erhoben. Seine Schule hatte Weltruf.

 

Quelle: "Unsere Heimat Au" von Hermann Gsteu erhältlich auf dem Gemeindeamt Au

 

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